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EMTS-Übung | Geiselnahme in der Jägerkaserne Sonthofen

19. November 2010 von Rainer Bumann

Großes Übungsszenario des Roten Kreuzes Oberallgäu in der Jägerkaserne Sonthofen.

Retter üben taktisches Verhalten beim Anfall vieler Verletzter (MANV).

EMTS-ein Schlagwort zur Bewältigung von Großschadenslagen, die eine Vielzahl von Verletzten gefordert hat. EMTS steht für Erste Medizinische Taktische Sichtung.

Hierbei geht es darum, dass die Besatzung des zuerst eintreffenden Rettungsfahrzeuges sich nicht der Versorgung von Verletzten annimmt, sondern die Lage sondiert und alle Betroffenen mittels einer Verletztenanhängekarte nach dem Schweregrad der Verletzungen kennzeichnet. Jedes Einsatzfahrzeug beim Roten Kreuz Oberallgäu verfügt über eine EMTS-Mappe, die 20 solcher Registrierkarten beinhaltet.

Nach dem Eintreffen am Notfallort, vergewissern sich die Helfer, ob am Einsatzort Gefahr besteht, wie z.B. bei Geiselnahmen, Bränden, einsturzgefährdeten Gebäuden etc..
Sobald die Lage sicher ist, wird die Einsatzstelle nach Verletzen abgesucht, diese kurz untersucht und mit einer Anhängekarte versehen. Es stehen 5 Klassifikationen der Versorgungsdringlichkeit mittels Farbstreifen zur Verfügung. Schwarz steht für verstorben, blau – abwartende Haltung, weil so schwer verletzt, das der Tod sehr wahrscheinlich ist. Rot klassifiziert schwer Verletzte mit größter Behandlungspriorität, Gelb – Schwerverletzte, Grün leicht verletzte Personen.

Entsprechend den Erkenntnissen über Anzahl und Schweregrade der Verletzten können dann gezielt weitere Einsatzkräfte nachalarmiert und geeignete Kliniken verständigt werden.
Bei der Sichtung dürfen die Helfer nur in geringem Umfang Erst-Hilfe-Maßnahmen ergreifen. Bewusstlose werden in die stabile Seitenlage gebracht, starke Blutungen werden notdürftig gestoppt. Dies erfordert von den Sanis ein enormes Maß an Disziplin, schreiende und wimmernde Personen nicht gleich versorgen zu dürfen, so Roland Muxel, Rettungsassistent und Leiter der Rotkreuz-Rettungswache in Sonthofen, der die Übung geplant und organisiert hat. Die Erfahrung hat eindeutig gezeigt, dass diese Vorgehensweise zu einer rascheren Versorgung der Schwerverletzten führt.
Das Szenario, eine Geiselnahme. Zwei vermummte Täter drangen in ein Gebäude ein und haben wahllos auf Personen geschossen, viele sind schwer verletzt. Einer der Täter flieht beim Eintreffen der Polizei aus dem Haus. Plötzlich reißt ein Mann die Haustüre auf und will fliehen. Doch sein vermummter Verfolger schießt ihm skrupellos in den Rücken. Die weiteren Verletzten sind auf 2 Stockwerke verteilt, wimmern, stehen unter Schock, oder sind bewusstlos.

Den ersten Rotkreuzhelfern, die mit Blaulicht anrücken, kommt ein wild gestikulierender Mann entgegen und stammelt aufgeregt, dass in dem Haus etwas furchtbares passiert sei.
Nach Rücksprache mit der Polizei, die ebenfalls vor Ort ist, kann die Einsatzstelle von den Helfern betreten werden. Die Sanis registrieren wie bei EMTS vorgesehen die Opfer, nachrückende Fahrzeuge erkennen anhand der Anhängekarte die Versorgungsdringlichkeit und kümmern sich um die Verletzten.
Mit von der Partie war auch Christian Löckher-Hiemer vom Polizeipräsidium Schwaben Südwest, Mitglied in der Arbeitsgruppe Amokszenarien der Bayerischen Polizei. Er spielte jeweils sehr überzeugend den vermummten Attentäter und ergänzte anschließend den Ausbildungstag mit einem interessanten Referat über den Amoklauf.

Einen weiteren Anteil am guten Gelingen des Tages hatte das RUD-Team Ostallgäu (Realistische Unfalldarstellung), das die Mimen täuschend echt schminkte.

Roland Muxel und ein Team an Beobachtern zogen eine positive Bilanz der Übung. Weitere sollen in Zusammenarbeit mit den Allgäuer Kollegen folgen.


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